„Wer wirklich liebt, der nimmt den anderen samt all seiner ‚Altlasten‘ und familiären Anhängsel bedingungslos an.“ Bullshit. Wenn du diesen Satz hörst, sträubt sich vermutlich alles in dir. Wahre Liebe bedeutet nämlich nicht, dass du dich selbst, deine mentale Gesundheit und deine hart erarbeiteten Lebensentwürfe für das Patchwork-Glück eines anderen aufgeben musst. Es ist völlig in Ordnung, wenn dein Traum vom Liebesglück kein fertig eingerichtetes Kinderzimmer beinhaltet.
Lass uns dieses toxische Dating-Tabu direkt brechen. Wenn du bei Apps für Online-Dating wie Tinder, Bumble oder Hinge den Filter „Hat Kinder“ konsequent aussortierst, nach links swipst und dich danach vielleicht sogar ein bisschen schlecht fühlst, ist es Zeit für psychologische Klarheit. Du bist weder verbittert, noch oberflächlich, noch egoistisch. Es geht hier um puren Selbstschutz, radikale Ehrlichkeit und die realistische Einschätzung deiner eigenen Kapazitäten. Hier ist vorab das Wichtigste, was du über dieses sensible Thema wissen musst, kompakt zusammengefasst.
Das Wichtigste in Kürze
Dating mit Alleinerziehenden erfordert massive Kompromisse in der Lebensführung, für die nicht jeder Single bereit sein muss oder kann.
- Kein Egoismus: Es ist dein unantastbares Recht, Partner mit Kindern kategorisch auszuschließen – es ist eine legitime Lebensentscheidung, keine Diskriminierung.
- Lifestyle schlägt Romantik: Das Daten von Alleinerziehenden bedeutet gravierende Abstriche bei Spontanität, ungestörter Zweisamkeit und Flexibilität.
- Die Rolle des Ex-Partners: Wer einen Alleinerziehenden datet, holt sich den biologischen Ex-Partner als festen Bestandteil (und potenziellen Konfliktherd) mit in die Beziehung.
- Klarheit ist Empathie: Ein klares, frühes „Nein“ ist weitaus respektvoller gegenüber dem Kind und dem Elternteil, als es halbherzig zu versuchen und später alle zu verletzen.
- Respektvolle Kommunikation: Formuliere deine Grenzen beim Daten positiv (Fokus auf deine gewünschte Unabhängigkeit) statt abwertend (Verzicht auf Wörter wie „Altlasten“ oder „Drama“).
Das schlechte Gewissen: Warum wir uns beim „Links-Swipen“ schuldig fühlen
Du liegst abends auf der Couch, swipst durch Bumble oder Tinder und siehst ein absolut fantastisches Profil. Tolles Lächeln, tiefgründige Antworten auf die Prompts, gleicher Humor, interessante Hobbys. Doch dann wandert dein Blick auf das kleine Badge in der Bio: „Hat Kinder“ oder „Stolze/r Papa/Mama“. Du zögerst kurz, seufzt leise – und wischst schweren Herzens nach links. Fast augenblicklich meldet sich diese kleine, fiese Stimme im Kopf: „Bin ich ein schlechter Mensch? Verbaue ich mir gerade die große Liebe, nur weil ich unflexibel bin?“
Die gesellschaftliche „Disneyfizierung“ der wahren Liebe
Dieses schlechte Gewissen kommt nicht von ungefähr. Gesellschaftlich wird uns seit Jahrzehnten unerbittlich eingetrichtert, dass Liebe grenzenlos sein muss. Märchen, Hollywood-Rom-Coms und sogar unser eigenes familiäres Umfeld suggerieren uns unaufhörlich: Wenn es der oder die Richtige ist, dann ist das Kind doch nur ein süßer Bonus, der das Glück verdoppelt. Patchwork wird in den Medien oft als chaotisch, aber am Ende immer idyllisch und herzerwärmend dargestellt.
Wer in der echten Welt hier eine harte Grenze zieht, wird schnell als beziehungsunfähig, hartherzig oder egoistisch abgestempelt. Fair finden wir das allerdings überhaupt nicht. Denn Liebe allein überwindet vielleicht vieles, aber sie erschafft nicht magisch Zeit, Nerven, finanzielle Ressourcen und Lebenskompatibilität, wo schlichtweg keine vorhanden ist.
Dealbreaker vs. Diskriminierung – Ein existenzieller Unterschied
Lass uns direkt zu Beginn eines ganz klarstellen: Jemanden aufgrund von Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Geschlecht auszuschließen, ist Diskriminierung. Jemanden auszuschließen, weil er oder sie ein Kind hat, ist ein fundamentaler Dealbreaker. Es ist schlichtweg die ehrliche, ungeschönte Anerkennung der Tatsache, dass eure Lebensentwürfe frontal miteinander kollidieren.
Du lehnst nicht das Kind als Person ab. Du bewertest auch den Single-Elternteil nicht als weniger wertvoll. Du lehnst lediglich die komplexe, oft fremdbestimmte Lebensstruktur ab, die unausweichlich mit der Elternschaft einhergeht.
Du denkst, du wärst der einzige Single auf weiter Flur, der beim Daten so radikal aussortiert? Weit gefehlt. Bevor dich das Gewissen weiter plagt, lass uns einen Blick auf die nackten Fakten werfen. Die Datenlage zeigt sehr deutlich, dass du mit deinen strengen Filter-Grenzen in bester Gesellschaft bist.
Lifestyle-Check: Woher kommt dein „Nein“ wirklich?
Wenn wir absolut ehrlich zu uns selbst sind, geht es beim Dating-Ausschluss von Alleinerziehenden in den seltensten Fällen darum, dass man Kinder per se hasst oder nicht ausstehen kann. Meistens ist es die Angst vor dem massiven Einschnitt in den eigenen, mühsam aufgebauten Single-Alltag. Du hast dir eine gewisse Unabhängigkeit erarbeitet. Du kannst tun und lassen, was du willst, wann du es willst. Eine Beziehung soll dieses Leben organisch bereichern, es aber nicht von einem Tag auf den anderen komplett auf den Kopf stellen.
Der schmerzhafte Verzicht auf die exklusive Honeymoon-Phase
Erinnerst du dich an die Magie der ersten Monate in einer neuen Beziehung? Das ungestörte, intensive Kennenlernen. Die verregneten Wochenenden, an denen man bis 14 Uhr im Bett bleibt, spontan Pizza bestellt, stundenlang redet und einfach nur zu 100% aufeinander fokussiert ist.
Wenn du einen Alleinerziehenden datest, existiert diese exklusive, völlig losgelöste Honeymoon-Phase de facto nicht. Die höchste Priorität deines Partners liegt naturgemäß und richtigerweise woanders. Das Bett wird morgens oft von einem quengelnden Kleinkind gestürmt, statt von romantischen Gefühlen dominiert zu werden. Die abendliche Zweisamkeit beginnt erst, wenn das Kind schläft – vorausgesetzt, der Elternteil ist dann nicht schon vor Erschöpfung selbst auf dem Sofa eingeschlafen. Es ist eine reife und mutige Leistung, sich einzugestehen, dass man auf diese ungestörte Magie der ersten Zeit nicht verzichten möchte.
Spontanität vs. striktes Zeitmanagement: Ein Crash der Welten
Freitagabend nach einer anstrengenden Arbeitswoche spontan entscheiden, einen City-Trip nach Paris zu buchen oder doch noch auf das Konzert in der Nachbarstadt zu fahren? Vergiss es. Patchwork-Dating bedeutet knallharte Planung. Es bedeutet Schulferien, die monatelang im Voraus getaktet werden müssen. Es bedeutet Dates, die oft in letzter Sekunde panisch abgesagt werden, weil der Nachwuchs plötzlich Fieber hat oder der Babysitter ausgefallen ist.
Stell dir folgendes Szenario vor: Du hast dich tagelang auf das Date am Samstagabend gefreut, dich schick gemacht, den Tisch im edlen Restaurant reserviert – und eine Stunde vorher kommt die WhatsApp: „Es tut mir so unendlich leid, aber Mia spuckt. Ich kann sie heute nicht zur Oma bringen. Können wir unser Date zwei Wochen verschieben?“ Wer hier nicht über ein übermenschliches Maß an Verständnis und Geduld verfügt, wird unweigerlich Frustration und Resentiments aufbauen. Deine Spontanität kollidiert ungebremst mit einem familiären Zeitmanagement, das keine Ausnahmen duldet.
Fragst du dich gerade, ob deine Abneigung gegen das Dating mit Alleinerziehenden wirklich fundiert ist oder nur auf einer unbestimmten, diffusen Angst beruht? Bevor wir tief in die Struktur der Patchwork-Dynamik eintauchen, mach diesen schnellen Realitätscheck. Er hilft dir zu verstehen, wo deine wahren, nicht verhandelbaren Grenzen liegen.
Basiert mein Filter auf Selbsterkenntnis oder diffusen Ängsten?
Klicke ehrlich an, welche der folgenden Aussagen auf dich zutreffen, um deine persönlichen Dealbreaker zu entschlüsseln.
Der unsichtbare Dritte: Die untrennbare Verbindung zum Ex-Partner
Ein Aspekt, der beim Thema „Daten von Alleinerziehenden“ oft romantisch verklärt oder schlichtweg totgeschwiegen wird, ist die biologische Realität der Elternschaft. Wenn du dich auf eine Person mit Kind einlässt, datest du niemals nur diese eine Person. Du heiratest – im metaphorischen Sinne – die Dynamik mit dem Ex-Partner direkt mit.
WhatsApp-Terror, Übergaben und Urlaubsplanung
Sofern der andere biologische Elternteil noch am Leben und involviert ist (was in der großen Mehrheit der Fälle so ist), wird diese Person für immer ein Teil deines Lebens sein. Ihr werdet Geburtstage zusammen verbringen müssen. Du wirst an Wochenenden erleben, wie dein Partner wegen einer Meinungsverschiedenheit bezüglich der Erziehung in Tränen ausbricht oder wütend WhatsApp-Nachrichten tippt. Du wirst Urlaube danach planen müssen, wann der/die Ex zustimmt, das Kind zu nehmen.
Es erfordert eine unfassbare Gelassenheit und ein extrem stabiles Ego, den Ex-Partner des eigenen Partners als ständige Präsenz im Alltag (und manchmal sogar am heimischen Esstisch bei der Kindesübergabe) zu akzeptieren, ohne Eifersucht oder Groll zu entwickeln. Wenn du spürst, dass du deinen Partner komplett für dich haben möchtest, ohne dass alle Entscheidungen von einem „Schatten der Vergangenheit“ mitgetragen werden müssen, ist das ein völlig legitimer Grund, direkt nach links zu swipen.
Geld, Alter und Prioritäten: Die knallharten Alltags-Faktoren
Oft wird uns eingeredet, Liebe kenne kein Alter und kein Bankkonto. Doch in der Welt des Patchwork-Datings brechen diese romantischen Illusionen schnell an der harten Realität des Alltags in sich zusammen.
Das finanzielle Ungleichgewicht beim Daten
Kinder sind teuer. Sehr teuer sogar. Alleinerziehende haben häufig ein wesentlich strikteres Budget als kinderlose Singles. Während du dein Gehalt in schicke Restaurants, teure Cocktails oder den nächsten Bali-Urlaub stecken kannst, fließen die Ressourcen deines Dates in neue Winterstiefel fürs Kind, Nachhilfestunden oder den Hortplatz. Das führt beim Daten unweigerlich zu Reibung: Entweder ihr passt euren Lifestyle extrem nach unten an, oder du beginnst sehr schnell, das finanzielle Defizit deines Partners auszugleichen und bezahlst für zwei (oder drei). Nicht jeder möchte in class=“dx-science-quote“der Frühphase einer Beziehung zum Sponsor werden.
Toddler vs. Teenager: Eine Frage des Überlebens
Zudem macht das Alter des Kindes einen astronomischen Unterschied. Es ist eine Sache, einen Partner zu daten, dessen 17-jährige Tochter sich ohnehin im eigenen Zimmer verschanzt, ihre eigenen Freunde hat und froh ist, wenn die Eltern nicht nerven. Es ist eine völlig andere, existenzielle Erfahrung, jemanden zu daten, der einen zweijährigen „Toddler“ zu Hause hat.
Kleinkinder fordern eine permanente, lückenlose Überwachung. Schreikrämpfe im Supermarkt, schlaflose Nächte wegen durchbrechender Zähne und ein Boden voller Lego-Steine prägen den Alltag. Du musst dir die ehrliche Frage stellen: Willst du dich in deiner Freizeit entspannen oder bist du bereit, plötzlich in die Rolle des Animateurs für ein fremdes Kleinkind zu schlüpfen?
Die Psychologie der „Instant-Familie“
Es ist herrlich naiv zu glauben, dass man einfach nur einen tollen Menschen datet, der eben zufällig ein bisschen Nachwuchs im Schlepptau hat. Die Wahrheit ist, dass du ein komplexes, bereits fertig kalibriertes Ökosystem datest. Du triffst auf eine geschlossene familiäre Einheit, in die du dich wie ein Puzzleteil von außen einfügen musst – oft ohne zu wissen, ob du das richtige Motiv hast oder überhaupt in die Aussparung passt.
Der brutale Loyalitätskonflikt des Kindes
Selbst wenn du bis über beide Ohren verliebt bist und dich rührend um den Nachwuchs bemühst, wird dich die psychologische Realität oft einholen. Kinder reagieren auf neue Partner oft mit einem tiefsitzenden Loyalitätskonflikt gegenüber dem biologischen, abwesenden Elternteil.[4] Sie strafen den neuen Partner oft unbewusst mit Ablehnung, Trotz oder offenem Hass ab – nicht weil du etwas falsch gemacht hast, sondern weil sie das Gefühl haben, den leiblichen Vater oder die leibliche Mutter zu „verraten“, wenn sie dich mögen.
Ein bockiges Kind lässt sich nicht mit verliebten Blicken zwischen dir und deinem Partner besänftigen. Du betrittst ein System, in dem du eine Rolle spielen sollst, für die es kein geschriebenes Skript gibt. Du trägst plötzlich Verantwortung, darfst aber oft nicht miterziehen. Es ist eine emotionale Gratwanderung, die nicht nur den guten Willen herausfordert, sondern handfestes psychologisches Wissen erfordert. Wie toxisch diese unklare Rolle sein kann, belegen auch wissenschaftliche Analysen zur Familiendynamik sehr eindeutig.[5]
Toxische Dating-Klischees über Patchwork entlarvt
Trotz all dieser sehr rationalen, psychologisch fundierten und nachvollziehbaren Gründe wirst du als kinderloser Single, der seine Grenzen wahrt, im Freundeskreis oft in die Ecke der „herzlosen Karrieremenschen“ oder „ewigen Peter Pans“ gedrängt. Interessanterweise urteilen meist jene Menschen am lautesten über deine Filter-Einstellungen, die selbst noch nie eine Sekunde in einer Patchwork-Konstellation leben mussten.
Um dein Gewissen endgültig von dem toxischen gesellschaftlichen Druck zu befreien, müssen wir an dieser Stelle gnadenlos mit den hartnäckigsten Vorwürfen aufräumen, die Singles wie dir ständig an den Kopf geworfen werden.
Mythos
„Wenn du die Person wirklich von Herzen liebst, wirst du auch ihre Kinder ganz automatisch mitlieben. Das kommt von ganz allein.“
Fakt
Romantische Zuneigung ist nicht einfach wie eine App auf Dritte transferierbar. Man kann einen Erwachsenen aufrichtig, sexuell und emotional tief lieben und trotzdem mit der Dynamik, der Lautstärke oder dem Charakter seines Kindes völlig inkompatibel sein. Liebe ist kein magischer Schalter.
Mythos
„Du bist einfach nur extrem egoistisch, bequem, unflexibel und hast in Wahrheit furchtbare Bindungsangst.“
Fakt
Die eigenen Kapazitäten und mentalen Grenzen genau zu kennen und sie frühzeitig auszusprechen, ist das absolute Gegenteil von Egoismus. Es zeugt von hoher emotionaler Intelligenz und schützt vor allem das Kind davor, einen halbgaren, widerwilligen Ersatz-Elternteil vorgesetzt zu bekommen.
Mythos
„Du wirst deine Meinung zu 100% ändern, sobald du den/die Kleine*n erst einmal kennengelernt hast! Warte es ab.“
Fakt
Dieses „Ausprobieren“ auf dem Rücken eines Kindes ist hochgradig gefährlich. Wenn du dir sicher bist, dass der Lifestyle nichts für dich ist, wird ein Nachmittag auf dem Spielplatz deine Kernwerte nicht umschreiben. Das Kind ist kein Testobjekt für deine Flexibilität.
Kommunikation: Wie du deinen Standpunkt klarmachst (ohne ein Arschloch zu sein)
Wir haben nun ausführlich etabliert, dass dein „Nein“ zur Instant-Familie valide, gesund und oft sogar die weiseste Entscheidung für alle Beteiligten ist. Doch wie man so schön sagt: Der Ton macht die Musik. Der größte Fehler, den viele (oft männliche, aber auch weibliche) Singles machen, ist es, ihre vollkommen legitime Abneigung auf eine unglaublich arrogante, abwertende Art und Weise zu kommunizieren. Es gibt einen extrem feinen Grat zwischen dem Setzen einer gesunden Grenze und einer verbalen Ohrfeige für einen Menschen, der täglich sein Bestes als alleinerziehender Elternteil gibt.
Was ins Dating-Profil gehört – und was definitiv nicht
Dein Tinder-, Bumble- oder Hinge-Profil ist deine persönliche Visitenkarte, kein städtisches Beschwerdebuch. Viele Singles nutzen ihre Bio, um all ihre Frustrationen und No-Gos abzuladen. Das wirkt nicht souverän, sondern zutiefst verbittert. Niemand (auch keine kinderlosen Singles!) swipet gerne jemanden nach rechts, der schon im allerersten Satz eine Liste von Verboten aufstellt und negative Vibes versprüht. Konzentriere dich auf das, was du dir wünschst, und nicht auf das, was du verabscheust.
Die Feigheit des Ghostings: Wenn das Thema erst beim ersten Date aufkommt
Manchmal rutscht dir jemand durch den Filter. Vielleicht hat die Person schlichtweg vergessen, das „Hat Kinder“-Badge zu setzen, oder sie verschweigt es bewusst aus Angst, aussortiert zu werden. Du sitzt gemütlich beim Wein, die Stimmung knistert, ihr lacht, und plötzlich droppt dein Date ganz beiläufig den Satz: „Mein Kleiner kommt am Wochenende aus dem Fußball-Camp zurück, da bin ich total eingespannt.“
Jetzt bist du in der Klemme. Wichtig hier: Bleib höflich, verfalle nicht in Schockstarre und bring das Date respektvoll und charmant zu Ende. Der absolute Tiefpunkt wäre es, viel Interesse vorzuheucheln, eventuell noch miteinander im Bett zu landen und die Person am nächsten Tag wortlos zu ghosten. Das ist feige und rücksichtslos.
Damit du in Zukunft nie wieder in die Falle tappst, passiv-aggressiv, verletzend oder unsouverän zu wirken, haben wir die besten Kommunikations-Strategien (und die schlimmsten Fettnäpfchen) für dich übersichtlich und praxisnah zusammengefasst.
Fazit: Steh zu deinen Grenzen (und erspare allen Beteiligten Schmerz)
Lass dir von absolut niemandem einreden, du müsstest deine eigenen Standards, Wünsche und Kapazitäten herunterschrauben, nur um gesellschaftlich als „guter, offener Mensch“ zu gelten. Wenn du tief in dir drinnen spürst, dass eine „Instant-Familie“ inklusive Ex-Partner-Management, eingeschränkter Spontanität und erzieherischer Verantwortung nicht dein Weg zum Glück ist, dann ist die ehrlichste und liebevollste Entscheidung, die du treffen kannst, diese Tür von vornherein geschlossen zu halten.
Viele Alleinerziehende daten ohnehin am liebsten andere Alleinerziehende, da das Verständnis für abgesagte Dates und kranke Kinder auf beiden Seiten exakt gleich groß ist. Du tust ihnen also keinen Gefallen, wenn du dich als kinderloser Single „erbarmst“, obwohl dein Herz nicht zu 100% dabei ist.
Wenn du dagegen ehrlich bist, ersparst du dir eine massive Menge an Frust und Überforderung, dem alleinerziehenden Single ersparst du wertvolle, verschwendete Zeit auf der Suche nach einem echten Stiefelternteil und am allerwichtigsten ersparst einem unschuldigen Kind die schmerzhafte Erfahrung, einen neuen Menschen ins Herz und ins eigene Leben zu lassen, der eigentlich von Anfang an gar nicht bleiben wollte. Steh zu dir und deinen Vorstellungen vom Leben. Dein Links-Swipe ist völlig okay, gesund und legitim. Gott sei Dank gibt es für jeden Topf den passenden Deckel – manchmal eben einfach einen ohne Kinderzimmer.
Hast du noch offene Fragen oder ein letztes leises Zweifeln im Hinterkopf? Mit unseren Dating-Tipps und Antworten auf die häufigsten Leserfragen räumen wir auch die letzten Stolpersteine aus dem Weg.
Darf ich den Filter bei Dating-Apps rigoros einstellen, auch wenn mir dadurch potenziell tolle Menschen entgehen?
Absolut. Seriöse Dating-Seiten leben vom Filtern – sie wurden genau dafür erfunden. Es geht um Effizienz bei der Partnersuche und darum, grundlegende Lebensziele abzugleichen. Wenn eine „Instant-Familie“ für dich ein glasklares, unverrückbares Ausschlusskriterium ist, verschwendest du durch das Weglassen des Filters nur deine eigene Zeit und brichst potenziell die Herzen der Alleinerziehenden, mit denen du ein Match bekommst. Bleib konsequent, das ist für alle das Beste.
Was ist, wenn ich mich im echten Leben (offline) versehentlich in jemanden mit Kind verliebe?
Online-Dating ist ein sehr rationaler, kategorischer Prozess; das echte Leben hingegen ist oft unberechenbar und hochgradig emotional. Wenn du offline (z.B. über Freunde oder im Job) jemanden triffst, es absolut „klickt“ und du die Person erst richtig kennenlernst, bevor das Kind zum Thema wird, kannst du deine eisernen Regeln natürlich neu bewerten. Du entscheidest dann für dich selbst, ob die Gefühle für diese spezifische Person stark genug sind, um den immensen Lifestyle-Shift und die Kompromisse in Kauf zu nehmen. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ich will später unbedingt selbst Kinder haben. Ist es dann nicht völlig heuchlerisch, Alleinerziehende beim Daten abzulehnen?
Nein, ganz und gar nicht. Das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Es ist ein gewaltiger psychologischer, rechtlicher und emotionaler Unterschied, ob man ein Kind von Tag eins an gemeinsam mit dem Partner zeugt, die Schwangerschaft erlebt, alles gemeinsam plant und organisch in die völlig neue Elternrolle hineinwächst. Etwas völlig anderes ist es, wenn man in ein bereits bestehendes, hochkomplexes Familien- und Ex-Partner-System von außen als Fremder integriert wird und plötzlich fremde Regeln adaptieren muss.
Wie reagiere ich am besten, wenn ein Single-Elternteil mir Vorwürfe macht, weil ich den Kontakt aufgrund des Kindes abbreche?
Bleibe stets freundlich, empathisch, aber in der Sache absolut bestimmt. Lass dich auf gar keinen Fall auf ausufernde moralische Diskussionen oder Rechtfertigungen ein – du bist niemandem Rechenschaft für deine Lebensplanung schuldig. Ein einfacher, klarer Satz reicht völlig: „Es tut mir aufrichtig leid, wenn das für dich verletzend wirkt. Das war nicht meine Absicht. Es geht hierbei absolut nicht um dich als Person oder darum, dass dein Kind ein Problem wäre, sondern rein um meine eigene, aktuelle Lebensrealität und meine Kapazitäten, in die dieses Setup einfach nicht passt. Ich wünsche dir nur das Beste.“ Danach darfst du das Gespräch (oder den Chat) auch ruhigen Gewissens beenden.
Studien & Quellen
- Statistisches Bundesamt, 2026: „Familien im demografischen Wandel“ Quelle ansehen →
- Wilbrand-Donzelli, N., 2014: „Alleinerziehende auf Partnersuche im Internet ‚Mich gibt’s nur im Doppelpack‘“ Quelle ansehen →
- Parship, 2023: „Die vielen Gesichter der Liebe: Welche Beziehungsformen l(i)eben wir?“ Quelle ansehen →
- Afifi, T. D., 2003: „‘Feeling Caught’ in Stepfamilies: Managing Boundary Turbulence through Appropriate Communication Privacy Rules“ Quelle ansehen →
- Shapiro, D., 2014: „Stepparents and Parenting Stress: The Roles of Gender, Marital Quality, and Views about Gender Roles“ Quelle ansehen →