Du wischst dich abends gemütlich durch Bumble, Tinder oder Hinge, liest die Profiltexte und hast plötzlich das Gefühl, du bräuchtest dringend einen Dolmetscher? Jemand sucht verzweifelt nach „W-Rizz“, will auf gar keinen Fall in einer „Situationship“ enden und warnt im Vorfeld schon eindringlich vor seinem ganz persönlichen „Ick“. Wenn du bei diesen Begriffen nur noch Bahnhof verstehst, können wir dich beruhigen: Du bist damit definitiv nicht allein.
Egal, ob du als Millennial nach einer langjährigen Beziehung frisch und etwas desorientiert zurück auf dem Dating-Markt bist, oder als Gen Z einfach nur die Bestätigung brauchst, dass dein täglicher Dating-Frust ein völlig normales Phänomen ist: Der moderne Dating-Slang entwickelt sich rasend schnell und kann extrem verwirrend sein. Was gestern noch ein harmloser Flirt war, ist heute vielleicht schon „Love Bombing“. Damit du für dein nächstes Date bestens vorbereitet bist und die unsichtbaren Regeln der modernen Partnersuche entschlüsseln kannst, haben wir die wichtigsten Erkenntnisse und Dating-Tipps für dich destilliert.
Das Wichtigste in Kürze
Modernes Dating hat eine hochkomplexe, völlig eigene Sprache entwickelt. Hier sind die vier essenziellsten Dinge, die du zwingend wissen musst, bevor du wieder swipst:
- Sprache als Schutzschild: Dating-Slang wie Ghosting, Orbiting oder Benching hilft aktiv dabei, emotionale Verletzungen präzise zu benennen und toxische, manipulative Muster deutlich schneller zu erkennen.
- Das Charisma-Update: „Rizz“ ist das moderne Äquivalent für Ausstrahlung und nonverbales Flirt-Talent – und entscheidet im Bruchteil von Sekunden über den ersten Eindruck auf Dating-Apps.
- Die Beziehungs-Illusion: „Situationships“ dominieren aktuell als vorherrschender Beziehungsstatus. Sie bieten emotionale und körperliche Intimität, verweigern aber strikt offizielle Verpflichtungen.
- Trend-Prognose 2026: Phänomene wie „Delulu“ offenbaren einen massiven Wandel innerhalb der Dating-Kultur – weg vom kühlen Zynismus, hin zu einem radikalen (und oft selbsttrügerischen) Optimismus bei der Partnersuche.
Damit du in diesem umfassenden Lexikon exakt die Begriffe und Phänomene findest, die dir aktuell unter den Nägeln brennen, nutze einfach unser interaktives Inhaltsverzeichnis für eine schnelle und zielgerichtete Navigation.
Warum Gen Z Dating-Trends völlig neue Namen gibt
Noch vor wenigen Jahren war der Ablauf linear und überschaubar: Man hat sich kennengelernt – sei es über Freunde, beim Ausgehen oder im Studium –, ist ein paar Mal klassisch ausgegangen und war dann irgendwann „zusammen“ – oder eben nicht. Eine Grauzone gab es kaum. Heute sieht die Realität dank fortschreitender Digitalisierung, allgegenwärtiger Social Media-Präsenz und einer buchstäblich endlosen, globalen Auswahl an Dating-Profilen auf Apps für Online-Dating wie Tinder, Bumble oder OkCupid komplett anders aus. Es haben sich völlig neue, oft hochkomplexe Beziehungsformen und zwischenmenschliche Dynamiken gebildet, die mit den traditionellen Labels schlicht nicht mehr fassbar sind.
Und genau für diese neuen, oft extrem verwirrenden und teils tief verletzenden Phänomene brauchte es neue Wörter. Dieser Slang ist kein sinnloses Internet-Gebrabbel pubertierender Teenager, sondern ein hochintelligenter, kollektiver Bewältigungsmechanismus einer ganzen Generation, die unter „Dating-Burnout“ leidet. Wie elementar dieser sprachliche Mechanismus in unserer menschlichen Psychologie verankert ist, offenbart ein genauerer Blick auf die Art und Weise, wie unser Gehirn Sprache verarbeitet und zur Stressbewältigung nutzt.
In einfachen Worten: Wenn du den exakten Begriff für ein bestimmtes, toxisches Verhalten kennst, bist du ihm nicht mehr hilflos und isoliert ausgeliefert. Du erkennst die manipulative Hinhaltetaktik deines Gegenübers viel schneller, weißt, dass Tausende andere Singles gerade genau dasselbe durchmachen, und kannst rechtzeitig die emotionale Reißleine ziehen. Ein cleverer und fairer Schutzmechanismus, finden wir!
Das Grund-Vokabular 2025: Rizz, Delulu & Der Ick
Bevor wir gemeinsam tief in die dunklen, teils toxischen Ecken des modernen Datings abtauchen, fangen wir mit den absoluten Grundlagen an. Diese drei Begriffe werden dir aktuell auf fast jeder Plattform begegnen – egal ob in der Instagram-Caption, im TikTok-Kommentarbereich oder direkt im Tinder-Profil deines Matches. Sie sind in der Regel humorvoll und selbstironisch gemeint, haben aber eine unbestreitbare Relevanz für den tatsächlichen Dating-Erfolg. Um dir ein greifbares Gefühl dafür zu geben, wie diese Wörter im echten Leben und in intimen Freundeskreis-Chats genutzt werden, hier ein absolut typischer WhatsApp-Verlauf am Morgen nach einem ersten Date.
Wenn du bei diesem kurzen Chatverlauf nur Fragezeichen im Kopf hattest und dich wie ein Alien gefühlt hast, atme tief durch. Wir lösen das Ganze jetzt Schritt für Schritt und anhand von Praxisbeispielen auf.
Rizz: Von W-Rizz bis hin zum magischen „Unspoken Rizz“
„Rizz“ ist schlicht und ergreifend die Gen Z-Abkürzung für Charisma (Cha-rizz-ma). Es beschreibt die seltene Fähigkeit, jemanden spielend leicht um den Finger zu wickeln, absolut faszinierend zu wirken und magnetisch anzuziehen, ohne sich dabei merklich anstrengen zu müssen. Hast du sogenannten „W-Rizz“ (Winning Rizz), bist du charmant, schlagfertig und die Herzen fliegen dir nur so zu. Leidest du hingegen unter „L-Rizz“ (Losing Rizz), wirken deine Flirtversuche eher hölzern, unbeholfen, im schlimmsten Fall peinlich oder einfach viel zu krampfhaft gewollt.
Der absolute Endgegner und heilige Gral in dieser Kategorie ist jedoch der „Unspoken Rizz“. Stell dir vor, du stehst in einer lauten, überfüllten Bar. Jemand betritt den Raum, sagt kein einziges Wort, kreuzt nur für eine Sekunde deinen Blick – und du hast sofort Herzklopfen. Das bedeutet, du musst nicht einmal den Mund aufmachen, um anziehend zu wirken. Deine pure Präsenz, dein intensiver Blick, dein Selbstbewusstsein oder deine entspannte Körperhaltung reichen völlig aus, um dein Gegenüber nervös zu machen.
Delulu is the Solulu: Positives Denken oder toxische Illusion?
Das Wort „Delulu“ stammt direkt vom englischen Begriff „delusional“ ab, was im medizinischen Sinne so viel wie wahnhaft oder realitätsfern bedeutet. In der modernen Dating-Welt ist es jedoch zu einer Art humorvollem, fast schon philosophischem Lebensmotto mutiert. Der viel zitierte Spruch „Delulu is the solulu“ (Wahnvorstellung ist die Lösung) bedeutet, dass man sich beim Dating absichtlich und völlig bewusst in einen radikalen Optimismus flüchtet.
Ein klassisches Szenario: Dein Date hat sich seit drei Tagen nicht auf deine letzte Nachricht gemeldet. Anstatt in Selbstzweifel zu versinken, redet sich der „Delulu“-Dater ein: „Er ist bestimmt nur so überwältigt von unserer unglaublichen Connection, dass er gerade vor Nervosität erstarrt ist und einen halben Liebesroman abtippt.“ Diese leicht naive, objektiv falsche Einstellung ist ein bewusster Schutzschild gegen den ständigen Zynismus und die emotionale Härte der modernen Dating-Welt. Tiefenpsychologisch betrachtet ist es ein faszinierender Versuch, in einer unberechenbaren, oft kalten digitalen Welt die Hoffnung und Romantik nicht völlig sterben zu lassen.
Der „Ick“: Wenn die Anziehungskraft in Sekundenbruchteilen stirbt
Gott sei Dank gibt es endlich ein präzises Wort für dieses hochgradig unangenehme, fast schon körperliche Gefühl! Der „Ick“ (auf Deutsch am ehesten mit „Igitt“ oder „Würgreiz“ zu übersetzen) ist genau dieser eine fatale Moment, in dem du jemanden eigentlich ziemlich attraktiv und toll findest, er oder sie aber plötzlich etwas so Banales, Unästhetisches oder Peinliches tut, dass deine romantische Anziehung von 100 auf absolute 0 abstürzt – und sich stattdessen in pure Abneigung verwandelt.
Das Verrückte am „Ick“ ist, dass er völlig irrational, unfair und oft extrem spezifisch ist. Vielleicht rennt dein Date mit einem klobigen Rucksack auf beiden Schultern einem Bus hinterher und der Rucksack hüpft auf und ab. Vielleicht spricht die Person beim Kuscheln plötzlich in einer extrem hohen, quietschigen Babystimme. Oder sie klatscht völlig unironisch nach der Landung im Ferienflieger. Zack – der Ick ist da. Evolutionspsychologen vermuten dahinter einen unbewussten Schutzmechanismus, der uns vor unpassenden Partnern warnen soll. Das Schlimme daran: Hat man diesen „Ick“ einmal bei einer Person empfunden, wird man ihn in 99 Prozent der Fälle nie wieder los. Die sexuelle Anspannung ist unwiderruflich zerstört.
Warnsignale erkennen: Die dunkle Seite des Dating-Slangs
Neben den lustigen, teils bizarren Begriffen wie dem Ick gibt es leider auch eine ganze Reihe an Wörtern, die handfestes toxisches, grenzüberschreitendes und emotional schädigendes Verhalten beschreiben. Das Internet, die Anonymität von Apps und die ständige Verfügbarkeit von „neuen Optionen“ haben es Menschen unglaublich einfach gemacht, sich rücksichtslos zu verhalten, ohne dafür soziale Konsequenzen im eigenen Umfeld fürchten zu müssen.
Genau deshalb ist es für deine eigene mentale Gesundheit absolut entscheidend, dass du nicht nur die roten Flaggen (Red Flags) sofort erkennst, sondern auch weißt, wie gesundes, reifes Dating-Verhalten (Green Flags) heutzutage eigentlich aussehen sollte. Um dir einen klaren Kompass an die Hand zu geben, hier der direkte Kontrast.
Red Flags (Toxischer Slang)
- Love Bombing: Dich direkt nach Date eins mit massiven Liebeserklärungen, Zukunftsplänen und Geschenken überhäufen, um dich schnell emotional abhängig zu machen.
- Gaslighting: Deine Wahrnehmung manipulieren. Dir wird systematisch eingeredet, du seist „zu sensibel“ oder „verrückt“, wenn du berechtigte Kritik an verletzendem Verhalten äußerst.
- Submarining: Nach monatelangem, eiskaltem Ghosting völlig unerwartet wieder auftauchen und so tun, als sei absolut nie etwas gewesen (ohne jede Entschuldigung).
Green Flags (Gesunder Slang)
- Therapy-pilled: Jemand, der aktiv an sich arbeitet, idealerweise in Therapie ist oder war, alte Wunden reflektiert und offen über Gefühle kommunizieren kann.
- Hard Launching: Die bewusste, stolze Entscheidung, dich unmissverständlich als Partner/in auf Social Media zu zeigen (das Gegenteil von „Stashing“, bei dem du verheimlicht wirst).
- Active Listening: Kein einziger Blick aufs Handy während des Dates, sondern echtes, tiefes Zuhören, Augenkontakt halten und interessierte Rückfragen stellen.
Lass uns nun vier der aktuell verbreitetsten und frustrierendsten Dating-Phänomene genauer unter die Lupe nehmen. Wenn du diese Taktiken durchschaust, kannst du sie in freier Wildbahn sofort entlarven und dich rechtzeitig distanzieren, bevor du emotional investierst.
Situationship: Mehr als Freundschaft, aber verheerend weniger als eine Beziehung
Willkommen in der absoluten, zermürbenden Beziehungs-Schwebe. Eine „Situationship“ fühlt sich an wie eine vollwertige Partnerschaft, sieht für Außenstehende genau so aus, aber ihr fehlt ein absolut entscheidendes, vertragliches Element: das Commitment (die Verbindlichkeit). Ihr verbringt halbe Wochenenden im Bett zusammen, redet nachts über tiefgründige Ängste, geht sonntags vielleicht sogar ganz bürgerlich zusammen bei IKEA einkaufen – aber keiner wagt es, das berüchtigte „Was sind wir eigentlich?“-Gespräch zu führen.
Für manche, extrem bindungsscheue Menschen ist dieses Konzept befreiend. Für die allermeisten endet es jedoch in katastrophalem Herzschmerz. Das Problem ist die kognitive Dissonanz: Dein Körper und Geist schütten Bindungshormone aus, weil ihr euch wie ein Paar verhaltet. Dein Verstand weiß aber, dass die andere Person theoretisch morgen noch jemand anderen daten dürfte. Unser Experten-Tipp: Setze dir innerlich die 3-Monats-Regel. Wenn nach drei Monaten intensiven Datings immer noch nicht klar ist, ob ihr exklusiv seid, sprich es an. Zieht die Person sich dann zurück, warst du nur ein bequemer Platzhalter.
Orbiting & Zombieing: Die gruselige Evolution des Ghostings
Jeder kennt mittlerweile Ghosting – den totalen, unangekündigten und absolut feigen Kontaktabbruch von heute auf morgen. Doch „Orbiting“ und „Zombieing“ sind psychologisch gesehen noch eine Spur perfider, weil sie dir keinen sauberen Abschluss gönnen. Beim Orbiting (abgeleitet von „Orbit“, der Umlaufbahn von Planeten) antwortet dir die Person zwar nicht mehr auf deine WhatsApp-Nachrichten, schaut sich aber zuverlässig, oft als allererste Person, jede einzelne deiner Instagram- oder TikTok-Stories an. Sie reagiert vielleicht sogar ab und zu auf ein Bild. Du wirst virtuell umkreist, aber in der Realität auf eisigem Abstand gehalten. Das suggeriert ein falsches Interesse und verhindert, dass du emotional loslassen kannst.
Beim Zombieing „erhebt sich der Ghoster plötzlich von den Toten“. Nach wochen- oder monatelanger Funkstille, in der du gelitten und die Person mühsam vergessen hast, ploppt plötzlich abends um 23 Uhr ein banales „Hey, lebst du noch?“ oder ein unkommentiertes Meme auf deinem Display auf. Die Person testet lediglich, ob die Tür noch offen ist, falls es mit anderen Dates nicht geklappt hat. Lass dich nicht darauf ein. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Zombie-Attacke erneut geghostet zu werden, liegt bei gefühlt 99 Prozent.
Benching & Cushioning: Die Ersatzbank des Datings
Diese Begriffe stammen aus dem Sport und beschreiben eine besonders egoistische Dating-Taktik. Beim „Benching“ (auf die Ersatzbank setzen) wirst du warmgehalten. Die Person datet aktiv jemand anderen (ihre erste Wahl), will dich aber als sichere Option nicht ganz verlieren. Sie meldet sich gerade oft genug, um in deinem Kopf zu bleiben, verlegt aber konkrete Date-Pläne immer wieder spontan. Du bist der Auswechselspieler für den Fall, dass die Hauptbeziehung scheitert.
Das eng verwandte „Cushioning“ (Abfedern) betreiben Menschen, die sich bereits in einer festen Beziehung befinden, die aber gerade kriselt. Sie fangen an, zart mit anderen (dir) zu flirten, um sich im Falle einer drohenden Trennung weich abzufedern („Cushion“). Sie suchen Bestätigung und einen nahtlosen Übergang, anstatt die Probleme in ihrer eigenen Beziehung zu lösen. Bemerkst du, dass du nur die Ersatzbank oder das Fallkissen bist? Lauf.
Breadcrumbing: Warmhalten für Fortgeschrittene
Erinnerst du dich an das Märchen von Hänsel und Gretel? Exakt so funktioniert Breadcrumbing. Dein Schwarm streut dir gerade genug kleine Brotkrumen an Aufmerksamkeit hin, um dich bei der Stange zu halten, ohne jemals satt zu machen. Ein flirty Emoji auf deine Story am Dienstag, eine vage Sprachnachricht am Freitag („Wir müssen uns im Sommer echt mal wieder sehen, vermisse deinen Humor!“) – aber zu einem konkreten, verbindlichen Treffen kommt es absolut nie.
Diese Taktik dient fast immer einzig und allein der Ego-Politur der Person, die die Krümel streut. Sie genießt das Machtgefühl, zu wissen, dass du auf Abruf bereitstehst. Sobald du dieses Muster durchschaust – Worte, denen niemals Taten folgen –, lautet unsere klare Empfehlung: Kehre die Krümel zusammen, dreh dich um und investiere deine Zeit in jemanden, der dir ein ganzes Brot backen will.
Therapy-Talk als Waffe: Verwendest du diese Begriffe völlig falsch?
Durch Plattformen wie TikTok und Instagram ist in den letzten zwei Jahren sogenannter „Therapy Talk“ (Therapie-Sprech) in den Mainstream übergeschwappt. Plötzlich analysiert jeder Hobby-Psychologe das Verhalten seiner Dates. Jeder unaufmerksame Ex-Partner wird sofort als diagnostizierter „Narzisst“ abgestempelt, jeder normale Beziehungskonflikt ist direkt „toxisch“ und wenn jemand zu schnell klammert, hat er unweigerlich „Bindungsängste aus der Kindheit“.
Das gigantische Problem dabei: Wir benutzen klinische, teils extrem ernste medizinische Begriffe völlig inflationär. Dadurch verharmlosen wir echte psychische Gewaltdynamiken und entziehen uns gleichzeitig oft selbst der Verantwortung, indem wir normales, menschliches Fehlverhalten sofort pathologisieren („Es hat nicht gepasst, er war halt toxisch“). Es ist enorm wichtig, dass wir beim Dating-Vokabular präzise bleiben, um echte psychologische Warnsignale nicht mit schlichtweg schlechtem Benehmen zu verwechseln. Wir klären die zwei häufigsten Missverständnisse ein für alle Mal auf.
Mythos
Jemand, der mich nach dem ersten Date anlügt und per Textnachricht behauptet, er habe „die nächsten Wochen beruflich gar keine Zeit“, betreibt Gaslighting.
Fakt
Gaslighting ist eine schwere, langanhaltende Form der psychologischen Manipulation, bei der das Opfer bewusst an seiner eigenen Realität, Erinnerung und seinem Verstand zweifeln soll. Eine feige Notlüge beim Dating, weil jemand Konfrontationen scheut, ist unhöflich und schwach, aber noch lange kein Gaslighting.
Mythos
Wenn mir ein Tinder-Match nach einem intensiven Chat plötzlich 24 Stunden lang nicht auf meine Frage antwortet, wurde ich definitiv geghostet.
Fakt
Ghosting bedeutet den kompletten, unwiderruflichen und kommentarlozen Kontaktabbruch (oft nach realen Treffen). Eine verzögerte Antwort von ein oder zwei Tagen bei jemandem, den du nur flüchtig online kennst, ist meist nur schlechtes Zeitmanagement, Stress im Job oder eine absichtliche Verlangsamung des Tempos (oft als „Slow Fading“ bezeichnet). Atme durch – es ist noch kein Ghosting.
Mental Health & Dating Fatigue: Wie du dich schützt
Wenn man all diese Begriffe – von Benching über Orbiting bis hin zu Breadcrumbing – liest, kann schnell der Eindruck entstehen, die Dating-Welt bestünde nur noch aus narzisstischen, beziehungsunfähigen Soziopathen. Das ständige Analysieren von Textnachrichten („War das jetzt ein Red Flag oder nur unglücklich formuliert?“) führt zu einem massiven neuen Phänomen: Dating Fatigue (Dating-Burnout).
Die absolute Reizüberflutung auf den Apps sorgt dafür, dass wir abstumpfen. Dates fühlen sich plötzlich an wie langweilige Bewerbungsgespräche. Wenn du merkst, dass du schon vor dem ersten Treffen zynisch denkst („Der ghostet mich ja eh in zwei Wochen“), ist es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen.
Schütze deine mentale Gesundheit, indem du „App-Detox“-Phasen einlegst. Lösche Bumble und Tinder für einen kompletten Monat von deinem Smartphone. Nutze die Zeit, um dich wieder mit dir selbst und deinen Freunden zu verbinden. Die gesündeste Einstellung zum modernen Dating ist es, Apps als das zu sehen, was sie sind: Ein nettes Zusatz-Werkzeug, um potenziell neue Menschen kennenzulernen – aber definitiv nicht das Maß deines eigenen Wertes. Wer seinen Selbstwert nicht mehr von der Anzahl der Likes abhängig macht, hat den stärksten Schutzschild gegen toxisches Verhalten.
Die bittere Realität: Modernes Dating in Zahlen
Vielleicht denkst du dir jetzt beim Lesen: „So schlimm und oberflächlich kann es doch da draußen in der realen Welt gar nicht zugehen, oder? Das sind doch nur Internet-Blasen.“ Leider sprechen die empirischen Daten eine sehr deutliche, fast schon erschreckende Sprache. Die hier besprochenen neuen Begriffe sind absolut kein Nischen-Phänomen mehr, sondern spiegeln die breite, harte Realität der heutigen Partnersuche wider.
Wir haben einen Blick auf aktuelle Erhebungen und Umfragen geworfen, um dir zu zeigen, wie präsent diese teils toxischen Verhaltensweisen im täglichen Leben junger Singles wirklich sind. Die Zahlen sind durchaus ein Weckruf und zeigen, warum ein tiefes Verständnis für diese Begriffe heute überlebenswichtig ist.
Diese Zahlen zeigen unmissverständlich, dass wir als Gesellschaft gerade erst schmerzhaft lernen, mit den völlig neuen Regeln und der unbegrenzten Auswahl der digitalen Partnersuche umzugehen. Es ist ein unvorhersehbarer, wilder Ritt, bei dem viele Herzen gebrochen werden. Aber mit dem richtigen Vokabular im Hinterkopf bist du bestens gerüstet, um deine eigenen Grenzen klarer zu ziehen und manipulative Muster im Keim zu ersticken.
Solltest du nach all diesen neuen Wörtern und psychologischen Abgründen immer noch Fragen haben, haben wir dir die häufigsten Suchanfragen und Verwirrungen rund um den Gen Z Dating-Slang in unserer übersichtlichen FAQ-Sektion zusammengefasst.
Was bedeutet „Delulu“ beim Dating genau?
„Delulu“ leitet sich vom englischen Wort „delusional“ (wahnhaft) ab. Im Dating-Kontext der Jahre 2024/2025 bedeutet es meist eine absichtlich ironische, radikal optimistische Einstellung, um sich vor Frust zu schützen. Man redet sich beispielsweise bewusst ein, dass der Schwarm, der seit drei Tagen nicht geantwortet hat, nicht desinteressiert ist, sondern nur sein Handy im See verloren hat. Das Motto „Delulu is the solulu“ (Wahnvorstellung ist die Lösung) ist eine humorvolle Schutzstrategie gegen den Schmerz der Ablehnung.
Was ist der genaue Unterschied zwischen Ghosting, Zombieing und Orbiting?
Beim Ghosting bricht die Person den Kontakt plötzlich, ohne Vorwarnung und für immer ab. Du hörst nie wieder von ihr. Beim Zombieing „erhebt sich der Ghoster plötzlich von den Toten“ und meldet sich nach Wochen oder Monaten der kompletten Stille wieder mit einem banalen „Hey, wie geht’s?“, als wäre nichts gewesen. Orbiting ist die passiv-aggressive, verwirrende Variante: Die Person antwortet zwar nicht mehr auf deine direkten Nachrichten, schaut sich aber weiterhin als einer der Ersten konsequent alle deine Instagram- oder TikTok-Stories an (sie „umkreist“ dich virtuell, greift aber nie an).
Woher kommt das Wort „Rizz“ eigentlich und was bedeutet es?
„Rizz“ ist eine phonetische Abkürzung der mittleren Silbe des Wortes Charisma. Es wurde anfänglich stark durch amerikanische Twitch-Streamer und später durch Millionen von TikTok-Creatorn geprägt. Es beschreibt pure Ausstrahlung. Man unterscheidet im Slang zwischen „W-Rizz“ (Winning Rizz = extrem charmant und mühelos erfolgreich beim Flirten) und „L-Rizz“ (Losing Rizz = unangenehme, peinliche oder krampfhaft erfolglose Flirtversuche).
Was ist der Unterschied zwischen Soft Launch und Hard Launch?
Diese Begriffe beschreiben, wie man eine neue Beziehung auf Social Media (z.B. Instagram) präsentiert. Beim Soft Launch bleibt es geheimnisvoll: Man postet beispielsweise nur zwei Gläser Wein beim Dinner oder die Hand des neuen Partners auf dem Lenkrad – das Gesicht bleibt verborgen. Es weckt Neugier, ist aber noch nicht ganz offiziell. Der Hard Launch hingegen ist das klare, unmissverständliche Pärchen-Selfie mit verlinktem Account. Es ist die öffentliche Liebeserklärung und zeigt stolz: Wir sind offiziell zusammen.
Was genau ist eine „Beige Flag“?
Neben Red Flags (absolute, teils gefährliche Warnsignale) und Green Flags (positive, gesunde Signale) gibt es die Beige Flags. Das sind Eigenschaften oder Verhaltensweisen beim Dating, die weder toxisch noch besonders herausragend sind, sondern einfach nur seltsam, etwas langweilig oder leicht exzentrisch. Zum Beispiel, wenn dein Date eine völlig übertriebene, unironische Obsession mit Excel-Tabellen für den Alltag hat, bei jedem Essen den Kellner fragt, wie scharf das Gericht wirklich ist, oder sein Steak immer konsequent „Well Done“ (komplett durchgebraten) bestellt. Es schadet niemandem, löst aber ein leichtes Stirnrunzeln aus.
Studien & Quellen
- Lieberman et al., 2007: „Putting Feelings Into Words: Affect Labeling Disrupts Amygdala Activity in Response to Affective Stimuli“ (Allgemeine Grundlagenstudie zur emotionalen Verarbeitung)
- Tinder, 2024: „Tinder Year in Swipe 2024“
- Oxford University Press, 2023: „Oxford Word of the Year 2023“