Kennst du das? Du hattest ein absolut traumhaftes Date. Ihr habt stundenlang gelacht, bei einer guten Flasche Wein tiefgründige Gespräche geführt, und der anschließende Sex war pure Magie. Alles fühlt sich unglaublich intim und verbunden an. Und doch, während dein Partner friedlich neben dir einschläft, meldet sich tief in dir drin ein leiser, fast schon verbotener Gedanke: Wie schön wäre es jetzt, im eigenen Bett zu liegen, sich sternförmig ausbreiten zu können und morgen früh völlig ungestört den ersten Kaffee in der geliebten, schäbigen Jogginghose zu trinken?
Für diesen Gedanken musst du dich absolut nicht schämen, auch wenn er sich im ersten Moment wie Verrat an der Romantik anfühlt. Die Gesellschaft drängt uns oft in die klassische „Beziehungs-Rolltreppe“: Erst das Kennenlernen, dann die Zahnbürste im fremden Bad, schließlich das Zusammenziehen, ein gemeinsames Konto und irgendwann die Heirat. Wer diesen vorgezeichneten Pfad verlässt, gilt schnell als beziehungsunfähig oder egoistisch. Doch was, wenn es einen bewährten Weg gibt, eine tiefe, emotional extrem verbindliche Partnerschaft zu führen, ohne jemals die eigene, hart erkämpfte Freiheit aufzugeben? Die Lösung für dieses scheinbare Dilemma hat einen Namen und revolutioniert gerade das moderne Dating. Bevor wir tief in die psychologische und praktische Materie eintauchen, haben wir die wichtigsten Eckpfeiler für dich zusammengefasst.
Das Wichtigste in Kürze
Living Apart Together (LAT) ist längst kein kurzlebiger Trend oder ein hipper Hashtag mehr, sondern eine fundierte Alternative zum klassischen Zusammenziehen. Hier sind die Kernpunkte:
- Bewusste Entscheidung, keine Übergangsphase: LAT beschreibt Paare, die in einer festen, verbindlichen Beziehung leben, aber dauerhaft und absichtlich auf getrennte Wohnsitze bestehen.
- Mehr Leidenschaft, null Alltagsfrust: Durch die räumliche Trennung bleibt das Geheimnisvolle und die erotische Spannung erhalten. Typische Beziehungskiller wie der Streit um den Haushaltsplan entfallen komplett.
- Das Gegenteil von Bindungsangst: LAT ist absolut kein Zeichen für mangelndes Commitment. Im Gegenteil: Ohne die tägliche physische Kontrolle erfordert es ein extrem hohes Maß an Vertrauen und exzellente Kommunikation.
- Der Preis der Freiheit: Das Modell bietet maximale persönliche Autonomie, erfordert aber einen stabilen finanziellen Background, um die Kosten für zwei separate Haushalte dauerhaft stemmen zu können.
Was bedeutet Living Apart Together (LAT) wirklich?
Hinter dem Begriff „Living Apart Together“ verbirgt sich weit mehr als nur ein schickes, englisches Buzzword für Menschen, die sich nicht festlegen wollen. Es bezeichnet eine feste, romantische und – in den meisten Fällen – strikt monogame Partnerschaft, in der sich beide Individuen ganz bewusst gegen einen gemeinsamen Wohnsitz entscheiden. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass es sich dabei um eine klassische Fernbeziehung handelt. Das ist falsch. LAT-Paare leben oft in derselben Stadt, manchmal nur ein paar Straßen weiter oder sogar im exakt selben Viertel. Sie könnten logistisch und finanziell jederzeit eine gemeinsame Wohnung beziehen – sie wollen es nur einfach nicht.
Das Konzept unterscheidet sich auch massiv von sogenannten „Situationships“ (unverbindlichen Techtelmechteln) oder Casual-Dating-Seiten. LAT-Paare planen ihre Zukunft gemeinsam. Sie sind füreinander da, wenn jemand krank ist, sie sind der gegenseitige Notfallkontakt, sie verbringen Feiertage zusammen und kennen die Familien des jeweils anderen. Der einzige Unterschied: Am Ende des Tages, nach dem gemeinsamen Sonntagsfrühstück oder dem Familienbesuch, fährt jeder wieder in sein eigenes Reich. Es ist der pure Luxus, sich jeden Tag aufs Neue aktiv für den anderen zu entscheiden, anstatt sich im automatisierten Alltagstrott, der Bequemlichkeit und dem zermürbenden Streit um schmutziges Geschirr zu verlieren.
Falls du nun denkst, dieses Lebensmodell sei nur etwas für absolute Einzelgänger, exzentrische Künstler oder beziehungsgestörte Workaholics, wirst du überrascht sein. LAT ist längst in der breiten Mitte der Gesellschaft angekommen und wird von Soziologen aufmerksam beobachtet. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen verdeutlicht eindrucksvoll, wie stark der Wunsch nach räumlicher Autonomie trotz tiefer Liebe wirklich ist.
Die Psychologie hinter LAT: Warum Nähe manchmal Abstand braucht
Nahezu jeder von uns hat durch Hollywood-Filme und gesellschaftliche Normen verinnerlicht: Wenn wir jemanden wahrhaftig lieben, müssen wir jede freie Sekunde mit dieser Person verbringen wollen. Die Realität abseits der Kinoleinwand sieht jedoch oft diametral anders aus. Wenn zwei Menschen zusammenziehen, verschmilzt der romantische Zauber der Anfangszeit unweigerlich mit knallharter Logistik. Wer bringt am Dienstagmorgen den Müll runter? Warum liegt die Zahnpastatube schon wieder offen herum? Wieso liegen deine Socken im Flur? Die ständige, unausweichliche physische Präsenz führt bei vielen Paaren zu einer schleichenden Entzauberung des Partners.
Aus psychologischer Sicht ist genau diese Verschmelzung ein gewaltiges Problem für die Erotik und Leidenschaft in Langzeitbeziehungen. Das menschliche Gehirn ist so verdrahtet, dass es sexuelles Begehren durch ein gewisses Maß an Distanz, Autonomie und Geheimnis aufrechterhält. Die renommierte Paartherapie spricht hier oft von „erotischer Intelligenz“.[1] Verlangen braucht Raum zum Atmen; es braucht die Distanz, über die hinweg man sich nach dem anderen sehnen kann.[2] Die Wissenschaft liefert uns hierfür eine faszinierende und einleuchtende Erklärung, die das Konzept des getrennten Wohnens plötzlich extrem logisch erscheinen lässt.[3][4][5][6]
Trotz dieser psychologischen Vorteile hat unsere Gesellschaft noch immer starke Vorbehalte gegenüber Paaren, die diesen unkonventionellen Weg wählen. Wenn du auf einer Party erzählst, dass du seit drei Jahren glücklich vergeben bist, ihr aber nicht zusammenwohnt, erntest du oft mitleidige oder skeptische Blicke. Oft wird den Beteiligten heimlicher Egoismus, Bindungsangst oder das Aufrechterhalten einer fiesen Exit-Strategie unterstellt. Es ist an der Zeit, diese harten Urteile endlich sachlich geradezurücken. Schauen wir uns detailliert an, was wirklich an den gängigsten Vorurteilen dran ist.
Mythos
„Wer auch nach Jahren nicht zusammenziehen will, hat einfach nur furchtbare Bindungsangst und hält sich insgeheim ständig eine bequeme Hintertür offen.“
Fakt
LAT erfordert ein extrem hohes Level an emotionaler Reife und Bindungssicherheit. Da die ständige physische Kontrolle über den anderen fehlt, basiert die Beziehung auf purem Vertrauen, tiefem Commitment und der bewussten Entscheidung füreinander.
Mythos
„LAT-Paare sehen sich im Alltag ohnehin kaum. Im Grunde leben sie eigentlich wie klassische Singles, nur mit dem Bonus von gelegentlichem, exklusivem Sex.“
Fakt
Genau das Gegenteil ist der Fall! LAT-Paare verbringen ihre gemeinsame Zeit wesentlich fokussierter. Statt stumm nebeneinander auf der Couch am Handy zu scrollen (Passiv-Zeit), erleben sie sehr bewusste, geplante und extrem intensive Quality Time.
Für wen eignet sich das getrennte Wohnen? (Und für wen nicht?)
Um es ganz klar vorwegzunehmen: Das LAT-Modell ist kein magisches Allheilmittel für zerrüttete Beziehungen. Für frisch verliebte Anfang 20-Jährige mag das tägliche Aufeinanderhocken, das Teilen eines winzigen WG-Zimmers und das gemeinsame Aufbauen von IKEA-Möbeln das größte Abenteuer der Welt sein. Doch besonders ab dem 30. Lebensjahr ändert sich bei vielen Menschen die Perspektive und die Gewichtung von Lebenszielen drastisch.
Menschen, die bereits eine anstrengende Scheidung, eine toxische Beziehung oder Jahre in einem erdrückenden Familienkonstrukt hinter sich haben, schätzen ihren mühsam aufgebauten „Safe Space“ enorm. Sie wissen, wie schwer es ist, sich selbst wiederzufinden, und wollen diesen hart erarbeiteten Raum nie wieder aufgeben. Auch für neurodivergente Menschen (beispielsweise mit ADHS oder im Autismus-Spektrum), hochsensible Personen (HSP) oder starke Introvertierte ist LAT oft ein absoluter Segen.[7][10][12] Für diese Gruppen bedeutet ständige soziale Interaktion – selbst mit dem geliebten Partner – einen massiven Energieverlust.[8][9][13] Eine eigene Wohnung ist für sie die essenzielle Ladestation, um überhaupt eine gesunde Beziehung führen zu können, ohne energetisch völlig auszubrennen.[11][14]
Zudem ist das Modell für Alleinerziehende oft der rettende Anker. Wer Kinder aus einer früheren Beziehung hat, möchte diesen verständlicherweise nicht ständig neue Partner am Frühstückstisch präsentieren. Getrennte Wohnungen erlauben es, das sensible Familienleben und die romantische Paarbeziehung anfangs sauber zu trennen und Konflikte zwischen Stiefelternteilen und Kindern komplett zu umschiffen. Bist du nach all diesen Punkten neugierig geworden, ob auch in dir ein waschechter LAT-Kandidat steckt? Finde es mit unserem Kurz-Check heraus.
Checkliste: Bist du der Typ für Living Apart Together?
Beantworte die folgenden 5 Aussagen radikal ehrlich mit Ja oder Nein, um dein Potenzial für das getrennte Wohnen zu testen.
Vor- und Nachteile der „Fern-Nähe“ im Überblick
Wie bei absolut jeder Beziehungsform auf diesem Planeten gibt es auch beim LAT-Modell zwei Seiten der Medaille. Das Modell verlangt Kompromisse, nur eben andere als beim Zusammenziehen. Wenn du mit dem ernsthaften Gedanken spielst, deine Wohnung trotz großer Liebe zu behalten, solltest du dir über die konkreten Vor- und Nachteile vollkommen im Klaren sein.
Die klaren Gewinne (Vorteile)
Der größte und unbestreitbarste Vorteil ist die uneingeschränkte „Me-Time“ und Autonomie. Du kannst sonntags bis um 14 Uhr im Bett liegen bleiben, nachts um drei das Licht anmachen, um einen Thriller zu Ende zu lesen, oder spontan laute Musik beim Putzen hören, ohne jemals jemanden zu stören oder dich rechtfertigen zu müssen. Deine Wohnung, deine Regeln.
Zudem bewahrt das Modell eine wunderbare, tiefe Wertschätzung füreinander. Da ihr euch nicht ständig seht, verkommt der Partner nicht zum bloßen Möbelstück. Ihr freut euch aufrichtig aufeinander, vermisst euch aktiv und Dates bleiben bewusst und romantisch. Ein weiterer massiver Pluspunkt: Gewisse typische Streitigkeiten im Alltag entfallen. Oft zeigt sich in der Praxis, dass sich traditionell zusammenlebende Paare neben Themen wie Zeitaufteilung, Erziehung oder Kommunikation sehr regelmäßig über Haushaltsführung, Finanzen und Ordnung in die Haare kriegen. Genau diese räumlichen Reibungspunkte existieren beim Living Apart Together praktisch nicht.
Die potenziellen Stolperfallen (Nachteile)
Natürlich besteht LAT nicht nur aus rosaroten Wolken und endloser Freiheit. Der offensichtlichste und gravierendste Nachteil sind die doppelten Lebenshaltungskosten. Zwei Mieten, zwei Stromrechnungen, zwei GEZ-Beiträge, zwei Internetverträge – das ist ein Luxus, den man sich angesichts heutiger Immobilienpreise erst einmal leisten können muss. Es erfordert ein gewisses finanzielles Privileg.
Ein weiteres Problem ist der „Taschen-Stress“. Spontaneität geht manchmal im Alltag verloren, wenn man nach der Arbeit erschöpft ist und feststellt, dass man für die Übernachtung beim Partner erst noch frische Kleidung, das Laptop-Ladekabel und die Kontaktlinsenflüssigkeit zusammenpacken und durch die halbe Stadt pendeln muss. Auch bei Krankheit zeigt sich eine Schwäche des Modells: Wer mit 39 Grad Fieber im eigenen Bett liegt, muss den Partner erst aktiv um Hilfe bitten, statt dass jemand automatisch da ist, um einen Tee zu kochen.
Der soziale Gegenwind (Wenn Freunde urteilen)
Ein oft unterschätzter Nachteil ist der gesellschaftliche Druck. Du wirst dich oft erklären müssen. Familie und Freunde werden in regelmäßigen Abständen fragen: „Und, wann zieht ihr nun endlich zusammen?“ oder „Läuft es nicht gut bei euch?“. Es erfordert ein dickes Fell und ein starkes Selbstbewusstsein, das eigene Liebesmodell immer wieder gegen traditionelle Normen verteidigen zu müssen.
Wie spreche ich den Wunsch nach getrennten Wohnungen an?
Du hast den Artikel bis hierhin gelesen, fühlst dich ertappt und merkst: „Ja, genau das will ich!“ Doch nun stehst du vor einer gewaltigen Hürde. Wie erklärst du das deinem Partner, ohne dass dieser denkt, du würdest ihn nicht genug lieben oder gar die Trennung einleiten wollen? Die Kommunikation dieses Wunsches erfordert extrem viel Fingerspitzengefühl.
Der wichtigste Grundsatz hierbei lautet: Präsentiere LAT nicht als Flucht vor dem Partner, sondern als Werkzeug, um eure Liebe zu schützen. Vermeide Sätze wie „Ich brauche dringend mehr Abstand von dir“ oder „Mich nervt deine Unordnung“. Das löst sofortige Abwehr und Verletzung aus.
Wähle stattdessen einen positiven, bejahenden Ansatz. Ein gutes Gespräch könnte so beginnen: „Ich liebe unsere Zeit zusammen so sehr und ich merke, wie wichtig du mir bist. Genau deshalb möchte ich verhindern, dass wir uns irgendwann im Alltagsstress und in Haushaltsdiskussionen verlieren. Ich habe über das Modell ‚Living Apart Together‘ gelesen und glaube, dass es uns helfen könnte, genau diese Magie und Spannung, die wir jetzt haben, für immer zu behalten. Lass uns mal völlig ergebnisoffen darüber sprechen, wie du dir unsere Wohnsituation in der Zukunft vorstellst.“ Wichtig ist, dem Partner danach viel Zeit zu geben, diesen unkonventionellen Gedanken zu verdauen.
So funktioniert LAT im Alltag: 4 goldene Spielregeln
Damit das Modell in der Praxis nicht im organisatorischen Chaos oder in emotionaler Entfremdung endet, braucht es ein stabiles Fundament aus klaren Absprachen. Wenn die äußere Struktur der gemeinsamen Wohnung fehlt, müsst ihr eine innere Struktur für die Beziehung aufbauen. Diese vier Regeln sind dabei unerlässlich:
Regel 1: Radikale, laufende Ehrlichkeit
Klärt von Anfang an, dass LAT für euch ein dauerhafter Ziel-Zustand ist und keine bloße, aufgeschobene Übergangsphase. Wenn ein Partner heimlich darauf hofft, dass der andere seine Meinung in zwei Jahren ändern und man dann doch ein Haus bauen wird, ist tiefer Herzschmerz vorprogrammiert. Überprüft dieses Commitment regelmäßig. Es ist völlig in Ordnung, wenn sich Bedürfnisse über die Jahre ändern, aber das muss offen kommuniziert werden.
Regel 2: Rhythmen und Rituale etablieren
Das ständige „Wann sehen wir uns diese Woche?“ kann schnell anstrengend werden. Findet einen ungefähren, aber flexiblen Übernachtungs-Rhythmus. Ein Klassiker ist das „Lange Wochenende“ von Freitag bis Montagfrüh bei Person A, und ein fester „Date-Night-Mittwoch“ bei Person B. Solche festen Ankerpunkte geben der Beziehung die nötige Sicherheit und Vorhersehbarkeit, ohne die Freiheit einzuengen.
Regel 3: Transparente Finanzen für gemeinsame Erlebnisse
Auch wenn ihr getrennt wohnt und getrennt wirtschaftet, habt ihr gemeinsame Ausgaben. Wer zahlt den Einkauf für das gemeinsame Wochenende? Wie teilt ihr Restaurantbesuche oder den Sommerurlaub? Erspart euch das kleinliche Aufrechnen. Die eleganteste Lösung für LAT-Paare ist oft ein gemeinsames Tagesgeldkonto für „Paar-Aktivitäten“, auf das beide monatlich einen vorher vereinbarten (oft ans Einkommen angepassten) Festbetrag überweisen.
Regel 4: Bewusste emotionale Brücken bauen
Haltet die emotionale Verbindung zwingend aufrecht, auch an den Tagen, an denen ihr euch physisch nicht seht. Wenn man sich nicht abends im Bett über den Tag austauschen kann, muss man diese Momente aktiv kreieren. Genau hierfür gibt es einen kleinen, aber extrem wirkungsvollen psychologischen Kniff, den viele erfolgreiche LAT-Paare anwenden, um die Nähe über die Distanz hinweg zu spüren:
Der „Anchor-Check-in“
Um beim getrennten Wohnen emotionale Kälte zu vermeiden, solltet ihr kleine, feste Mikromomente der Nähe im Alltag etablieren. Eine bewährte Methode ist der sogenannte „Anchor-Check-in“ am Abend: Ein kurzer, 5- bis 10-minütiger Anruf (oder eine Sprachnachricht), bei dem es explizit nicht um Logistik geht („Wann kommst du morgen? Hast du Brot gekauft?“). Stattdessen teilt ihr ausschließlich eure innere Gefühlswelt: „Was war heute dein bester Moment?“, „Worüber hast du dich richtig geärgert?“ oder „Wofür bist du heute dankbar?“. Das schafft sofortige, intime Bindung und zeigt echtes Interesse, ohne dem anderen seinen physischen Raum zu nehmen.
Fazit: Ist LAT das Beziehungsmodell der Zukunft?
Eines ist nach genauerer Betrachtung absolut sicher: Es gibt nicht das eine perfekte, universelle Beziehungsmodell für alle Menschen. Wir müssen aufhören zu glauben, dass Liebe immer gleich aussehen muss. Doch Living Apart Together ist ein gewaltiger, dringend nötiger Befreiungsschlag für all jene, die tief in sich spüren, dass klassische Lebensentwürfe sie auf Dauer eher erdrücken als beflügeln. Es steht stellvertretend für die Flexibilisierung und Individualisierung der modernen Liebe.
Wer sagt denn, dass echte, lebenslange Treue und Hingabe nur dann existieren, wenn man sich gezwungenermaßen ein Badezimmer, ein Netflix-Profil und eine Waschmaschine teilt? Wenn dir das Modell der zwei Wohnungen hilft, eine glücklichere, authentischere, ausgeglichenere und leidenschaftlichere Version deiner selbst zu sein – und dein Partner das genauso empfindet –, dann ist es exakt der richtige Weg für euch. Um die letzten Unklarheiten zu diesem spannenden Thema zu beseitigen, haben wir hier noch die häufigsten, brennenden Fragen aus unseren Dating-Guides für dich beantwortet.
Ist LAT im Grunde das Gleiche wie eine offene Beziehung?
Nein, absolut nicht. Die beiden Konzepte haben rein gar nichts miteinander zu tun. LAT bezieht sich rein auf die geografische und logistische Wohnsituation. Die überwältigende Mehrheit der LAT-Paare lebt streng monogam. Die sexuelle Exklusivität, Treue und emotionale Verbindlichkeit sind in der Regel exakt so hoch wie bei klassisch zusammenwohnenden oder verheirateten Ehepaaren.
Wie regelt man als LAT-Paar am besten die Finanzen im Alltag?
Da jeder seinen eigenen Haushalt führt, bleiben die massiven Grundkosten (Miete, Strom, Versicherungen) natürlich strikt getrennt. Jeder ist für seinen eigenen Lebensstandard verantwortlich. Für gemeinsame Ausgaben wie Urlaube, Restaurantbesuche oder den großen Lebensmitteleinkauf vor einem gemeinsamen Wochenende empfiehlt sich jedoch ein Gemeinschaftskonto. Auf dieses zahlen beide monatlich einen festen Betrag ein. So vermeidet ihr kleinliche, unromantische finanzielle Diskussionen bei euren Dates.
Kann man mit Kindern überhaupt Living Apart Together leben?
Ja, absolut! Besonders bei Patchwork-Familien ist LAT extrem beliebt und wird oft von Familientherapeuten empfohlen. Es schützt die Kinder davor, sich nach einer Trennung sofort an einen neuen „Mitbewohner“ im intimsten Rückzugsort gewöhnen zu müssen, und reduziert Revierkämpfe unter potenziellen Stiefgeschwistern enorm. Es erlaubt es den Elternteilen, sowohl ihre familiären Pflichten in Ruhe zu erfüllen, als auch ihre erwachsene Paarbeziehung am Wochenende ohne Vermischung und Loyalitätsdrama zu genießen.
Was passiert bei diesem Modell, wenn einer im Alter plötzlich pflegebedürftig wird?
Das ist tatsächlich eine der größten und realsten Herausforderungen des LAT-Modells. Viele Paare treffen hierfür frühzeitig offene, ehrliche Absprachen, solange sie noch gesund sind. Oft wandelt sich das Modell im hohen Alter, wenn die Gebrechen zunehmen, organisch wieder in ein Zusammenwohnen um. Eine sehr beliebte Alternative im Alter ist es auch, benachbarte Wohnungen (z.B. auf demselben Flur im selben Haus) zu mieten, um Pflege, schnelle Hilfe und Nähe zu gewährleisten, ohne die geliebte Privatsphäre völlig aufgeben zu müssen.
Es erfordert zweifellos Mut, Stärke und viel Kommunikation, den eigenen, unkonventionellen Weg in der Liebe zu gehen, fernab von den Erwartungen der Schwiegereltern oder dem Getuschel der Nachbarn. Aber wenn die ultimative Belohnung dafür eine tiefe, entspannte, konfliktfreie und langfristig glückliche Partnerschaft ist, lohnt sich dieser Mut allemal.
Studien & Quellen
- Esther Perel, 2006: „Mating in Captivity: Unlocking Erotic Intelligence“ (Klinische Fallstudien zur Balance von Nähe und psychologischer Distanz) Quelle ansehen →
- David Schnarch, 1997: „Passionate Marriage: Maintaining Love and Intimacy in Committed Relationships“ (Theoretische Konzepte zur sexuellen Spannung durch Differenzierung und Autonomie) Quelle ansehen →
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- Arthur Aron et al., 2000: „The self-expansion model of motivation and cognition in close relationships“ (Grundlagenstudie zur Steigerung der Leidenschaft durch neuartige Erfahrungen) Quelle ansehen →
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- Susan M. Johnson, 2008: „Hold Me Tight: Seven Conversations for a Lifetime of Love“ (Forschungsliteratur zur Balance von Nähe und individueller Eigenständigkeit) Quelle ansehen →
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